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Geschichtsreferat Füllinsdorf von Schweizer Thomas

Von Firinisvilla zu Füllinsdorf

Die erste Erwähnung unseres Dorfes im Jahr 825

Die vorliegenden Forschungsergebnisse sind aus einem Referat entstanden, das am Festakt durch ein Podiumsgespräch, an dem der Schreibende teilgenommen hatte, ersetzt wurde. Das ursprüngliche Manuskript wurde stark überarbeitet und ergänzt.

In ausgelassener Stimmung endete das Fest «1200 Jahre Füllinsdorf» vom 14. Mai. Bis in die Nachtstunden hinein feierten die Leute immer noch im vollen Zelt. Nur gab es anno 825 noch keine Partybands, und die Menschen hatten andere Sorgen als fröhlich auf die Bänke zu stehen, zu singen und zu tanzen. Das Leben im Frühmittelalter war derart anders, dass wir uns davon kaum eine Vorstellung machen können. Auch Dörfer gab es erst seit dem Hochmittelalter. Die Siedlung Firinisvilla muss ein Gehöft mit einigen umliegenden Hütten gewesen sein, vielleicht können wir es als Weiler bezeichnen, und das Leben der Menschen war karg, hart, arbeitsreich und bedrohlich. Freizeit im heutigen Sinn kannten sie wohl noch nicht.

Die erstmalige Erwähnung von Firinisvilla finden wir in einer Urkunde vom 11. Mai 825. Der Text ist auf Pergament und in lateinischer Sprache abgefasst. In der deutschen Übersetzung lesen wir: «Uppert überträgt dem Kloster St. Gallen für sein Seelenheil den dritten Teil seines elterlich gekauften und erworbenen Besitzes im Augstgau, in Füllinsdorf und in Munzach, darunter in Füllinsdorf ein Gehöft mit allem Zubehör. Er behält sich aber auf Lebenszeit den weiteren Besitz der Güter vor».

Die Urkunde dieses Landbesitzers befindet sich heute in der Stiftsbibliothek St. Gallen. Ein Vertreter dieser wertvollen Bibliothek überbrachte am Fest eine vergrösserte Fotokopie als Geschenk. Sie soll gut sichtbar im Gemeindehaus angebracht werden. Aber warum St. Gallen?  Zwei Gründe mögen ausschlaggebend gewesen sein: Einerseits wollte Uppert, wie er selber schreibt, etwas für sein Seelenheil tun, andererseits war das aufstrebende Kloster bereits mächtig, besass viele Ländereien und war mit den fränkischen (nicht karolingischen) Königen bestens vernetzt.

Auch in der ausführlichen wissenschaftlichen Publikation «Lebenswelten des frühen Mittelalters», herausgegeben vom Stiftsarchiv St. Gallen, findet Füllinsdorf neben Augst, Kaiseraugst und Munzach Erwähnung.

Der Name Firinisvilla veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte einige Male. Man nahm es offenbar früher mit der Schreibweise nicht so genau. Wir lesen dann auf späteren Urkunden von Vilistorf, Vulistorf, Vilinstorf oder Fulisdorf. Warum aber Firinisvilla? Der Flurnamenforscher Markus Ramseier schreibt in der Broschüre für Füllinsdorf (sehr lesenswert übrigens), es könnte die Siedlung eines Filibert oder Filimar gewesen sein. Aber der Name lasse sich nicht mit Sicherheit deuten. Weiter schreibt Markus Ramseier: « Die -dorf-Siedlungen entstanden in der sogenannten Ausbauzeit des späten ersten Jahrtausends, als die Alemannen und Franken zusätzliches Land erschlossen. Auszugehen ist von einer althochdeutschen Grundform vilinesdorf. Darin dürfte sich die Kurzform eines zweistämmigen Personennamens verbergen».

Dennoch können wir von zwei gesicherten Erkenntnissen ausgehen: Die Endsilbe -villa zeigt, dass das Gebiet bereits in römischer Zeit besiedelt gewesen sein musste. Firinisvilla ist einfach die erste urkundliche Erwähnung unseres Dorfes, wie das ja für die meisten anderen Ortschaften auch gilt. Die Silbermünzen wiederum, die man im Büechlihau gefunden hat, stammen aus keltischer Zeit. Sie können noch bis Ende Juni 2026 in einer Ausstellung im Historischen Museum, der ehemaligen Barfüsserkirche, in Basel besichtigt werden.

Was natürlich auch stimmt: «Füllinsdorf» hat nichts mit einem Füllen, einem Fohlen oder jungen Pferd zu tun. Wirklich nicht? Doch, doch, es galoppiert virtuell fröhlich durchs Dorf und hält an einigen Orten eine Rast. Zum Beispiel auf dem Kreisel vor dem Denner, vor dem Gemeindehaus oder am Anfang der Mühlemattstrasse. Aber das ist nicht alles: Seit 1946 besteht unser Gemeindewappen aus einem blendend weissen Füllen mit goldenen Hufen und goldener Zunge auf tiefblauem Grund.

Nach dem 2. Weltkrieg sind übrigens viele neue Gemeindewappen entstanden, in dem ein Tier zu finden ist: Schafe, ein Bär, ein Leu, Adler und Doppeladler, ein Fisch, ein Wolf oder ein Drache wie im Wappen von Rümlingen. Dort kämpft der Ritter Sankt Georg mit diesem Ungeheuer.

Mir aber scheint, dass unser Füllen ein besonders schönes Rössli sei. Ich hab es gern, denn es wirkt auf mich mit viel Tatendrang, ist übermütig, voller Anmut, Lebendigkeit und Zukunftsglaube.

Hü, Rössli, hü! Du gehörst einfach als elegantes Füllen zu uns.

  • Thomas Schweizer wohnt seit 1981 in Füllinsdorf. Der frühere Mittellehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof ist heute ein schriftstellerisch tätiger Autor, Kulturvermittler und engagierter Vertreter der Baselbieter Künstlerinnen und Künstler. ThS ist verwitwet, hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. www.thomswiss.ch