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Burg Altenberg

Die Burg auf Altenberg

Der Elbisjäger

  1. Eine alte Frau suchte am Elbisberg Brombeeren. Ein Gewitter war im Anzug, und es wurde ganz dunkel. Da hörte sie Pferdegetrappel und Hundegebell, und plötzlich ritt ein Mann in alter Rittertracht auf einem Schimmel nahe an ihr vorbei. Er war von einigen bellenden Jagdhunden begleitet. Als die Frau die Erscheinung näher ins Auge fassen wollte, war sie auf einmal verschwunden und es setzte ein heftiger Regenguss ein, der sie zwang, nach Hause zu laufen.
  2. Mein Bruder ging einmal in den Elbis. Da hörte er plötzlich hinter sich in den Baumkronen ein Rauschen und Sausen. Ein Horn blasend, zog der Elbisjäger, gefolgt von seinen Hunden, über ihn dahin. Kurz darauf gab es anderes Wetter.

Wie diese Sagenzitate belegen, geisterten Vorstellungen von Reitern - Rittern? - und einem Schloss - der Burg? - durch die Köpfe und das Erzählgut von Füllinsdorf. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Sagen motive mit den Resten der Burgruine im Büechlihau in Beziehung stehen.

Genaues wusste man über die Burg mit der exponierten Lage auf einem steilen Hügel im Wald bis 1980 nicht - Interesse, was da im Boden verborgen lag, war aber in Füllinsdorf längst vorhanden. Generationen von Buben haben beim Graben ihr Glück versucht. Als sich die "Burgenfreunde beider Basel" zu ihrem Jubiläum 1981 ein Forschungsprojekt wünschten, ergänzte sich dieser Wunsch mit der Suche des Historischen Seminars der Universität Basel nach einem Objekt zur Durchführung von Lehrgrabungen. Durch die Vermittlung des Amtes für Museen und Archäologie Baselland konnte das Ausgrabungsprojekt Altenberg angegangen werden.

1982 begannen unter der Leitung von Prof. Werner Meyer und Jakob Obrecht Sondierungsarbeiten, die ein vielversprechendes Bild ergaben. Dies ermutigte die Beteiligten zu den eigentlichen Ausgrabungsarbeiten 1986/87. Erste Resultate wurden aber bereits 1982 in den "Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins" veröffentlicht. Später entstand ein sehr eindrücklicher Filmbeitrag für das TV-Magazin «MTW: Menschen, Technik, Wissenschaft», und im September 1987 konnte das Amt für Museen und Archäologie die Öffentlichkeit durch ein Pressecommuniqué folgendermassen über die Ereignisse orientieren:

"Die Resultate dürfen sich sehen lassen: Es kam eine Burganlage zum Vorschein, die in unserer an Burgen nicht eben armen Gegend einmalig ist. Sie bestand aus einem Hauptbau von den beträchtlichen Ausmassen 8 x 15 Metern, an den eine Ringmauer anschloss. Spuren einer älteren Umfassungsmauer konnten festgestellt werden, ohne dass ihr ursprünglicher Verlauf exakt hätte bestimmt werden können. In einer zweiten Bauphase wurde die Umfassungsmauer weiter in den Hang hinaus gestellt und das Gelände innen aufgeschüttet, um mehr Platz zu erhalten. Ebenfalls aufgeschüttet wurde ein Erdkegel aussen an der Südseite des Hauptbaues, um so das Gefälle zu erhöhen. Die ganze Anlage war auf jeder Querseite mit je zwei Gräben geschützt.

Innerhalb der Ringmauer konnten Spuren von Holzbauten festgestellt werden, unter anderem ein in den Boden eingetieftes sogenanntes Grubenhaus, das auch von anderen Burgen bekannt ist und in der Regel wohl als Webkeller diente. Für die Versorgung mit Brot waren Mühlen vorhanden: es wurde ein Fragment aus Rotliegendbrekzie sowie eine vollständige Mühle aus Tenniker Muschelagglomerat gefunden. Ferner wurde auch ein aus Steinen errichteter Backofen angetroffen. Der Hauptbau, für den der früheste Saalbau auf der Habsburg der nächstliegende Vergleich ist, brannte aus. Auf den Brandschutt brachte man eine Planie auf; das Gemäuer wurde dann offenbar in reduzierter Form weiterbenutzt. Dies jedenfalls legen verschiedene Spuren nahe, vor allem auch eine dicht mit Knochenresten (Speiseabfällen) durchsetzte "Kulturschicht".

Wichtig ist die Burg Altenberg vor allem ihrer frühen Datierung wegen: Aufgrund der Keramik, die in der Nordwestschweiz gut aufgearbeitet ist und deshalb eine der sichersten Datierungshilfen darstellt, muss die Burg generell ins 11. Jahrhundert angesetzt werden; jüngere Scherben sind nicht vertreten. Dies wird durch eine Münze bestätigt, die in der erwähnten -späten - Kulturschicht zum Vorschein kam und von Bischof Beringer (1057-1072) geprägt wurde.

Neben der Keramik sind vor allem die Tierknochen zu erwähnen, darunter zahlreiche der sonst kaum geborgenen Fischreste - die Hauptfundschichten wurden alle gesiebt, und so konnten auch Zeugen des Alltags gefunden werden, die man sonst gerne übersieht. Zu erwähnen sind ausserdem einige besonders interessante Funde wie ein kleiner Knochenkamm mit geschnitzter Verzierung, ein ebenfalls aus Knochen geschnitzter Brettspielstein, vergoldete Beschläge sowie ein blaues Glas mit weisser Fadenauflage, wie es heute erst an zwei weiteren Fundstellen in Europa bekannt ist!»

Nachdem das Amt für Museen und Archäologie Baselland und die Einwohnergemeinde Füllinsdorf nach der Grabung sich auch die Kosten der baulichen Konservierung der Anlage geteilt hatten, so dass eine weitere "sanierte" Burgstelle im Kanton Baselland am 12. September 1987 der Öffentlichkeit übergeben werden konnte, wurde der Gemeinde von seiten des Regierungsrates ein namhafter Beitrag aus dem Lotteriefonds zur wissenschaftlichen Untersuchung und Veröffentlichung der Funde und Befunde zur Verfügung gestellt.