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Silbermünzenschatz

293 Silbermünzen – Der Keltenschatz von Füllinsdorf

Auf dem Gebiet der Gemeinde Füllinsdorf wurde ein Depot mit 293 keltischen Silbermünzen entdeckt. Es handelt sich um den bislang grössten Hortfund eisenzeitlicher Edelmetallmünzen aus der Schweiz.
In einer kleinen Ausstellung zeigte die Archäologie Baselland den aussergewöhnlichen Neufund vom 31.3. bis 23.9.2012 im Museum.BL


Auszug aus der Publikation der Archäologie BL vom März 2012:
 

Der Münzschatz von Füllinsdorf

Vor einiger Zeit entdeckte ein Privater in der Gemeinde Füllinsdorf keltische Silbermünzen, worauf die Archäologie Baselland das gesamte Gelände untersuchte. Bis zum Schluss kamen 293 Münzen zum Vorschein. Sie lagen auf einer Fläche von rund 50 Quadratmetern verstreut, müssen ursprünglich aber gemeinsam vergraben worden sein. Die Auffindung des Münzschatzes ist ein absoluter Glücksfall. In der Schweiz sind nur wenige bekannt und mit insgesamt 293 Silbermünzen ist der Fund von Füllinsdorf der grösste keltische Hort mit Edelmetallmünzen aus der Schweiz. Mit wenigen Ausnahmen besteht er aus einem einzigen Münztyp und seinen Varianten: den so genannten Kaletedou-Quinaren. Auf frühen Varianten des Münztyps ist in griechischem Alphabet KAΛETEΔOY (= Kaletedou) zu lesen. Es handelt sich um einen keltischen Personennamen – wahrschein­lich eines gallischen Anführers. Die Kaletedou-Quinare stammen ursprünglich aus Ostfrankreich, sind aber auch in der Schweiz zahlreich.

Das Geld der Kelten

Am südlichen Oberrhein etablierte sich das Münzwesen im 2. Jahrhundert v. Chr. Was man mit den Münzen aus Gold, Silber und Bronze bezahlte, ist unklar. Aktuelle Forschungen zeigen, dass sich die Geldwirtschaft weitgehend auf Beziehungen zwischen den Stadtsiedlungen beschränkte. Nach ersten Erkenntnissen haben der oder die Besitzer den Münzschatz von Füllinsdorf in der Zeit um 80/70 v. Chr. vergraben – in einer Zeit, in der man vermehrt Silber, vermutlich zur Bezahlung von Soldaten, prägte und benutzte.
In der keltischen Zeit gab es noch keine Banken, die das Geld aufbewahrten. Es war üblich, grosse Werte zum Schutz zu vergraben. Manchmal geschah dies auch in einem Heiligtum, da man glaubte, dass dann die Götter darüber wachten. Dies könnte auch in Füllinsdorf der Fall gewesen sein.

Die Schatzsuche geht weiter

Fast drei Monate nachdem der Baselbieter Kantonsarchäologe Dr. Reto Marti der Oeffentlichkeit diesen Silberschatz präsentiert hatte, ist dieser mittlerweile um fünf weitere Stücke auf 298 Münzen angewachsen. Der Fundort wird geheim gehalten. Die Suche nach den Münzen sei zwar abgeschlossen, aber die Umgebung wird nach wie vor erforscht. "Der Münzfund war isoliert, deshalb stellen wir uns die Frage: Was war da genau?". Auf die erhoffte Keltensiedlung sei man laut Marti bisher noch nicht gestossen; erste Erkenntnisse konnten aber bereits gewonnen werden. Es wurde nämlich eine besonders kleine Münze genauer unter die Lupe genommen. Diese wiege nicht mehr als ein halbes Gramm und sei im bayrischen Manching geprägt worden, so Marti. "Die Münze ist bis ins heutige Füllinsdorf gelangt. Das zeigt, welch reger Handel bereits in der späten Eisenzeit in diesem Teil von Europa geherrscht haben muss."